Interviewpassagen in Citizen Science von Peter Finke

Ich mache inzwischen wirklich gern bei Pflanzenkartierungen mit. Am Anfang war ich noch schlecht, aber ich bin mitgegangen und habe dazu gelernt. Es waren immer gute Leute dabei. Jetzt bin ich auch schon ziemlich gut. Nur bei Gräsern habe ich noch größere Probleme. Was wir machen, ist wichtig. Es dient unter anderem dazu, einen Überblick darüber zu bekommen, was der sonst kaum bemerkte Landschaftswandel anrichtet und wo man Schutzgebiete einrichten muss.

Eine Verwaltungsangestellte

 

All das, was uns an der Universität belastet – die Stellenstreichungen, die unzureichende Ausstattung, der enge Rahmen der Studienordnungen, die viele Gremienarbeit, die nicht immer freundschaftliche Konkurrenz der Kollegen usw. – gibt es in unserem Verein für natur- und kulturwissenschaftliche Heimatforschung nicht. Auch deshalb mache ich dort gern mit. Hier sind die Leute noch dankbar für jede Entdeckung, jede Bestimmungshilfe.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter

 

Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wie Wissenschaft wohl früher ausgesehen hat, als es noch nicht diese ganze Spezialisierung und die vielen Universitäten mit den vielen Studenten gab. Und ich denke, was wir heute im Verein machen, das ist vielleicht eine solche frühere Form von Wissenschaft. Aber dann frage ich mich doch wieder, ob das sein kann, denn wir leben ja in der heutigen Zeit und sehen überall die Spuren der Technik und der Wissenschaft. Doch wir setzen uns auch damit auseinander. Ist also unsere Form von Wissenschaft nicht doch – selbstverständlich – heutige Wissenschaft?

Eine Hauptschullehrerin

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Experiment: Du bist nicht gemeint

Ich hätte da einen Vorschlag für ein Experiment das man durchführen könnte, um an der Erfindung des Internet zu arbeiten.

Ein Chat-Livestream.

Zwei Adressen verständigen sich im Vorfeld zu einem bestimmten Zeiptunkt miteinander zu schreiben. Wie in einem Chat, einer SMS Unterhaltung, einer DM-Unterhaltung auf Twitter, Whatsapp und dergleichen mehr. Ein Chat unter Beteiligung von zwei Adressanden.

Der Chat wird live gestreamt und auch als Aufzeichnung offen abgelegt. Die Aufgabe besteht darin jeweils mit der anderen Adresse zu kommunizieren, also Kommunikation stattfinden zu lassen, und die Person, die Nachrichten formuliert und abschickt, nicht zu meinen. Gemeint ist damit, dass egal was geschrieben wird und worüber diskutiert wird bereits gilt, dass nicht die jeweils andere Person gemeint sein kann, weil die Kommunikation unter der Prämisse steht, den jeweils anderen nicht zu meinen. Das funktioniert im Sinne eines Spieles wie eine Spielregel.

Wer hat Lust auf einen ersten Versuch mit mir?

What’s next?

Vimeo ist eine Plattform, die hauptsächlich für künstlerische Aktivitäten genutzt wird. Mach Videos von Kunstwerken. Tafelbilder, wie sie entstehen, wie sie sich verändern. Wie sie verschwinden. Performance Art wie das Nachtlabern. Vielleicht Ausschnitte daraus. Eine Serie. Möglichst auf ein Etwas gelenkt. Das eigentliche daran in Erfahrung bringen. Was ist Dir wichtig? Womit willst Du arbeiten? Womit macht die Arbeit Spaß? Du magst doch Bücher? Die gibt es kostenlos an jedem Bücherschrank. Die sind viel zu schade, um sie ins Regal zu stellen. Mache aus ihnen Saft. Wissenssaft zum trinken. Jeder erhält ein paar Worte. Bis sie nicht mehr durstig sind. Oder bis sie endlich durstig genug werden. Drogen. Sie müssen dazu gebracht werden, etwas zu lieben. Das können sie schon nicht mehr ohne Wahrnehmungsveränderung. Visualisiere das. Zeig die Verbindungen, die das auftut. Es wird Dir gut tun.

Schreib auch endlich mal das Theaterstück auf, von dem Du mir erzählt hast. Es macht ja nichts, dass es daherkommt, wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Den Produzenten verkaufen wir das bei der Party so ganz nebenbei. Wenn sie in der besten Laune sind und wir sie die ganze Nacht bearbeitet haben. Die wollen dann nicht mehr wissen wer und was, die sagen ja, weil wir es sind. Nur brauchen wir es dann auch. Also schreib es, damit das wenigstens schon mal steht.

Dann bleibt erstmal nur die Frage wegen nächster Gespräche und Vorträge im Radio. Da haben wir noch kein richtiges Konzept. Man könnte von unterwegs aufnehmen, aber das ist Mist. Sprechen mit irgendwem hatten wir schon zu genüge. Vielleicht bekifft oder betrunken. Einfach dahergelabert. Oder was echtes. Einmal pro Woche irgendwo hin nur dafür. In ne Kneipe. In ein Café. Oder doch unterwegs. Aus der Ubahn. Die Technik ist noch scheisse. Mit ordentlichem Mikrofon sieht es gleich bekloppt aus. Vielleicht schreibst Du doch lieber.

Berufsrollen und Computer

Eine Reaktion auf einen Blogbeitrag von Ens Oeser.

Moin Ens,

es freut mich, dass Du Deine Irritation in diesem Blogbeitrag dargelegt hast und versuchst, ihr nachzugehen. Ich wünschte, Du würdest etwas langsamer denken, da gäbe es meines erachtens nämlich noch interessantes aufzuspüren. Sowohl für Dich, als auch für mich. Ich weiß im Gegensatz zu Dir nämlich nicht so genau, womit ich es zu tun habe und habe auch nicht die Not, es so einfach verstehen zu müssen.

Du bist kein Lehrer. Ich weiß gar nicht, wie Du auf die Idee kommst, Du seist einer. Wenn Du Twitter einschaltest oder einen Blogbeitrag schreibst und irgendetwas zur Auskunft gibst, dann bist Du in diesem Moment kein Lehrer. Lehrer zu sein ist eine Rolle die in spezifischen Kontexten zur Aufführung kommt und selbstverständlich verstehe ich, wenn man in einer Rolle aufgeht und diese dann nicht mehr so einfach ablegen kann. In so einem Kontext bewegen wir uns doch aber überhaupt nicht.

Dass ich weiß, dass Du Dich, selbst in einem befreiten Kontext, für einen Lehrer hälst, das weiß ich ausschließlich durch Dich und nicht durch die Umstände unter denen wir Kommunizieren. Ich hatte noch nie Schulunterricht bei Dir. Du machst Dich als Lehrer ansprechbar und wenn Dich jemand als Lehrer anspricht, dann greifst Du das auf und bestätigst damit diese Ansprache. In einer Schule funktioniert das grundsätzlich sehr ähnlich. Schön dargestellt ist das in diesem Videoausschnitt aus einem Film (Catch me if you can):

Man sieht daran erstmal schön, dass Lehrer zu sein bedeutet, keine besonderen Kompetenzen zu haben. Dir wurde kein besonderes Wissen verliehen, es gibt nichts, was Dich auszeichnet, wie spezielle Superkräfte, die Dich ad hoc zu einem Lehrer machen. Alles im Studium angelernte Wissen ist erstmal völlig unnötig um als Lehrer auftreten zu können. Du bist es selbst, der sich da etwas herausnimmt und das spielt. Das machst Du dann sogar noch per Twitter. Das macht in einer funktional differenzierten Gesellschaft Sinn, wozu auch Schule gehört, aber Twitter fügt sich in diese Aufteilung nicht ein. Twitter ist kein Klassenzimmer. Und besitzt Du auch noch die Ignoranz, Dich darüber zu echouffieren, wenn jemand diese Ansprachemöglichkeit auf die Probe stellt. Hätte ich Dich als Clown bezeichnet, hättest Du wohl kaum eine Abhandlung über den Zirkus und die Wahrnehmung von Zirkusmitarbeitern in der Gesellschaft verfasst. Du hättest diese Ansparche nicht aufgegriffen und damit wäre sie vom Tisch gewesen. Du bist es selbst, der für einen Lehrerdiskurs sorgt, der mir völlig egal ist, weil ich nicht mehr zur Schule gehe und auch keine Kinder habe, die zur Schule gehen.

Jetzt bist Du zufällig bei mir an jemanden geraten, der sich dafür interessiert, inwieweit solche Adressen wie Deine, die spezifische Rollen aufführen, in der Lage sind, aus diesen Rollen auszutreten und eine andere Sichtweise für sich einzunehmen, die nicht aus dieser Rolle heraus ableitbar ist. Mit Deinem Blogbeitrag zeigst Du mir, dass das sehr schwer zu sein scheint und dass es viel näher liegt, Deine Beobachtungen und Deine Irritation in Deine Rolle aufzunehmen. Ich habe kein Bedenken dabei, andere über Twitter als Arschlöcher und schlimmeres zu bezeichnen, um diese Form der Irritationen hervorzurufen. Ich glaube nur so kannst Du etwas darüber lernen, was Du da eigentlich tust. Vergegenwärtige Dir bitte, dass es völlig normal ist noch viel krasser miteinadner umzugehen. Ich denke Du wirst mir zugesetehen, dass ich weit davon entfernt bin, mit einem Messer auf Dich loszugehen oder anderweitig gefährliches Verhalten an den Tag zu legen. Ich schreibe nur irgendwelche Sachen ins Internet. Das hat nichts mit Hass zu tun. Ich hasse auch keine Lehrer_Innen.

Was ich nicht mag ist, wenn Potenziale nicht in Erfahrung gebracht werden, weil aufgrund der Herangehensweise auf Basis bekannter Strukturen der Blick auf die Eigenart neuer und anderer Strukturen verdeckt wird. Das hast Du getan, indem Du gegenüber meinem (persönlich bekannten) Freund Manu behauptet hast, etwas, was er unterstellt, gäbe es nicht.
Das halte ich für ein frevelhaftes Verhalten, weil es sich nicht für die Wahrheit dieser Aussage interessiert, sondern ausschließlich für deren Falschheit, womit verdeckt wird, dass in der Unterstellung des Zusammenhanges selbst etwas zu entdecken ist. Mit dieser Umgangsweise wird daher aus meiner Sichtweise Wissen vernichtet. Womit die Unterstellung der Falschheit der Unterstellung dann begründet wird, ist übrigens egal, weil ab dem Zeitpunkt die eigentlich Frage schon nicht mehr behandelt wird.

Denk mal drüber nach.

Lieber Gruß
Michael (@adloquii)

Netz und Netzwerk

Dieser Blogbeitrag ist als Einreichung für die Blogparade #blgntzwrk entstanden.

1887 erschien Gemeinschaft und Gesellschaft, das später zu einem soziologischen Entstehungswerk stilisiert wurde. Die Begriffe der Gemeinschaft und der Gesellschaft werden darin versucht zu klären, durch Abgrenzung voneinander. Der jeweils andere Begriff dient dabei lediglich als Hilfsmittel, um dem jeweils eigentlichen Begriff eine Kontur zu geben, wie aus dem Nichts. Die Begriffsbestimmung ist nicht als Rekonstruktion gedacht. Die Annahme lautet nicht, dass bereits bekannt sei, was der Begriff impliziere und dieses Wissen nur aufgedeckt werden müsse. Der Begriff wird überhaupt erst gefunden, durch die Auseinandersetzung mit einer Gegenfiktion. Es ist nicht schon alles klar. Wir müssen nicht nur recherchieren und uns bilden. Nicht nur Sammeln und Ablegen und die Auswahl einer Rekombination davon einer höheren Macht anvertrauen. Welche Macht sollte das sein und wer bestimmt über sie? Es gibt keine Auswahl außerhalb des Auswählens. Mit Luhmann: Selektion kommt nur als Beobachtung eines Beobachters vor. Alles andere gibt es zwar, aber nicht als Kommunikation.

Der Autor von Gemeinschaft und Gesellschaft, Ferdinand Tönnies, kam aus ländlichen Verhältnissen. Mit der Sprache der akademischen Welt ist er nicht aufgewachsen und die Ausdrucksweise seiner akademisch geprägten Wissenschaftskollegen war ihm fremd. Aus diesem Umstand erklärt sich eine schwer verständliche, eigene Sprache. Ein Versuch des Formulierens von jemandem für eine Sprachgemeinschaft, der dieser Sprachgemeinschaft nicht angehört. Vermeintlich künstliches Geschwurbel. In Wahrheit jedoch ein Versuch der Anbiederung von jemandem der Angst davor hat, ausgegrenzt zu werden, wenn er als er selbst auftritt.

In Anlehnung daran könnte es hier vielleicht auch gehen. Also erfinden wir die Begriffe des Netzwerk und des Netz, unter Verwendung des jeweils anderen Begriffes als Hilfsmittel dafür.

Fangen wir ganz bescheiden einfach mal an:

Netz

Das Netz ist eine Lösung. Lange Zeit war der Zugriff auf Informationen ein Problem. Zwar gab es schon immer Möglichkeiten sich Informationen zu besorgen, aber dafür musste Aufwand betrieben werden. Monographien gab es nur als Bücher, die an eigens dafür eingerichteten Orten bezogen werden konnten. Geschichten und Erzählungen mussten an einem Ort, an dem sie als Information verfügbar waren gesammelt, aufgeschrieben, und als Schriftdokumente an andere Orte transportiert werden, um auch dort zur Verfügung zu stehen. Das Netz bildet eine Infrastruktur, um das räumliche Zugriffsproblem auf Informationen zu lösen und Informationen an jedem Ort zu ermöglichen. Das gilt sowohl für die Möglichkeit der Aufzeichnung von Informationen, als auch für die Zugriffsmöglichkeit auf dieselbe. In Bezug auf Information spielt die räumliche Unterscheidung damit keine Rolle mehr. Das Netz hat dieses Problem nivelliert. Diese Lösung, das Netz, bildet eine Infrastruktur eigener Art, die als Überfluss aus der Problemlösung des Zugriffs und Ablegens von Informationen zur Verfügung steht. Was das bedeutet ist damit unklar. Von Lösungen kann man erstmal nichts lernen, dafür müsste zunächst auf Basis einer gefundenen Lösung ein neues Problem entdeckt werden.

Netzwerk

Das Netzwerk ist das Problem das durch die Infrastruktur Netz in Erfahrung gebracht werden kann. Die Ausweitung des Ablegens von Informationen ist so weit fortgeschritten, dass sich keine Informationen nicht im Netz finden lassen. Über das Hinzufügen weiterer Informationen und die Möglichkeit des Abrufens von Informationen ist dadurch nicht länger Zugewinn verbunden, im eigentlichen Sinne einer Problemlösung. Stattdessen bildet die Fülle an Informationen über alles und jeden die Grundlage dafür, ein neues Problem in Erfahrung zu bringen, das bislang weder als Problem bekannt war, noch gezwungenermaßen als Problem beobachtet werden muss. Tatsächlich hat sich die westliche Zivilisation nämlich von bekannten Problemen weitestgehend gelöst. Krieg, Hugner und Elend sind aus der eigenen Kultur verschunden und nur noch als externalisierte Phänomene bekannt, die nicht mehr als Problem, sondern nur noch für moralistisch geführte Debatten thematisiert werden. Vermeintliche Katastrophen wie die Expolosion von Kernkraftwerken oder Unwetter sind gleichermaßen unproblematisch, weil auch solche Phänomene bereits eingearbeitet sind in die Selbstverständlichkeiten der eigenen Kultur. Es käme demnach genau darauf an: Das Netz dazu zu verwenden, ein Problem in Erfahrung zu bringen, das als Problem auffällig ist. Das Netzwerk erlaubt es, Informationen, über die als problematisch informiert wird, zu beobachten. Die arbiträre Ausweitung von Informationen macht plausibel, dass die entscheidenden Probleme, die bearbeitet werden können, bereits als Information zur Verfügung stehen, als solche aber noch nicht bearbeitet werden oder bearbeitet werden können. Das Problem des Netzwerkes könnte also darin bestehen, diese Probleme zu suchen und zu finden. Das finden von Problemen ist das derzeitig einzig bekannte Problem.